Akkurater Anfang, furioses Finale
Musikhalle: Der Pianist Oleg Polianski weckte die Junge Philharmonie Köln
Volker Hartung besucht seit langer Zeit jedes Jahr mit der Jungen Philharmonie
Köln die Musikhalle, im Gepäck einige gern und oft gehörte Werke.
Diesmal eröffnete die Rossini-Ouvertüre "Die Italienerin in Algier"
das Konzert. Das schnurrte wie eine Spieluhr: die knackigen Staccati exakt gleichzeitig,
Bläserakkorde punktgenau. Hartung zirkelte jede agogische Regung klar ab,
die Stimmen griffen wie die Zahnräder ineinander. In Paganinis Violinkonzert
Nr. 2 spulte das Orchester zuverlässig seine Begleitung ab, Attila Sautov
besorgte den Solopart. Gleichmütig, ohne mit der Wimper zu zucken, buchstabierte
er sich akkurat durch die akrobatische Zungenbrecher-Musik. Dirigent Hartung
verlegte sich auf die mechanische Organisation des Ganzen, montierte hier ein
bißchen crescendo, dort etwas rubato hinzu.
Wie befreiend, als endlich jemand Sand ins Getriebe streute - der Pianist Oleg
Polianski nahm sich in Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 immer die Zeit, die
er brauchte, um einen Gedanken zu Ende zu erzählen. Zunächst geriet
das Orchester dabei ins Stocken, ging auf den Dialog mit dem Solisten nicht
recht ein, doch schließlich fand es den gemeinsamen Atem und gestaltete
ganze Abschnitte sehr lebendig. Die Geigen erreichten in ihren vollmundigen
Melodien im dritten Satz gar die Intensität des Solisten. Polianski hauchte
indes jeder kleinen Akkordrepetition liebevoll poetischen Geist ein und plauderte
charmant selbst in höchst virtuosen Rasereien noch über kleine Schelmereien
am Rande. Das Orchester nahm den Schwung mit und empfahl sich mit einer unterhaltsamen
Version von Tschaikowskys "Capriccio Italien". nie
Artikel erschienen am Die, 15. Februar 2005